Berufsorientierung in der Schule arbeitet häufig mit Material, das älter ist als die Schülerinnen und Schüler. Dabei liegt der aktuellste Datensatz zum Ausbildungsmarkt offen: Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit führt rund 170.000 Ausbildungsstellen, tagesaktuell, mit Beruf, Ort, Betrieb und in vielen Fällen der Vergütung je Lehrjahr. Das lässt sich im Unterricht nutzen.
Die Unterrichtsidee
Schülerinnen und Schüler untersuchen ihren eigenen Ausbildungsmarkt statt eines abstrakten. Drei Leitfragen genügen: Welche Berufe werden in unserer Region am häufigsten ausgebildet? Was wird dort gezahlt? Und wo liegen die Betriebe — in der Stadt oder im Umland?
Der Datenzugang ohne Programmieren
Die Jobbörse selbst ist für die Suche gebaut, nicht für Auswertungen. Für den Unterricht ist eine aufbereitete Sicht praktischer: Ausbildungsplatz.net gliedert dieselben Daten nach Städten und Berufen, zeigt die Zahl der offenen Stellen je Kombination und rechnet aus den Stellenanzeigen den Vergütungsmedian pro Lehrjahr. Damit lässt sich in einer Doppelstunde eine Tabelle für den eigenen Landkreis bauen, ohne dass jemand eine Schnittstelle bedienen muss.
Aufgabenblatt für eine Doppelstunde
- Sucht die Seite eurer Stadt oder der nächstgrößeren. Notiert die fünf Berufe mit den meisten offenen Stellen.
- Vergleicht die Vergütung im ersten Lehrjahr dieser fünf Berufe. Wo liegt der größte Unterschied, und was könnte der Grund sein (Tarifbindung, Branche, Betriebsgröße)?
- Prüft für euren Wunschberuf: Wie viele Stellen gibt es bundesweit, wie viele in eurer Region? Was folgt daraus für die Frage, ob ein Umzug nötig wäre?
- Diskutiert: Warum stehen manche Berufe mit tausenden Stellen in der Liste und werden trotzdem nicht besetzt?
Was die Daten leisten und was nicht
Die Zahlen zeigen das Angebot, nicht die Nachfrage. Ein Beruf mit vielen offenen Stellen kann bei Jugendlichen unbeliebt sein — das ist eine gute Diskussionsgrundlage über Fachkräftemangel. Und nicht jede Stelle steht in der Jobbörse; gerade kleine Betriebe besetzen über Empfehlung. Beides gehört in die Auswertung, damit aus Zahlen keine falschen Sicherheiten werden.
Datenschutz
Die genannten Quellen erfordern keine Registrierung und erheben keine Daten der Schülerinnen und Schüler. Das ist für den Einsatz im Unterricht die Voraussetzung, die bei kommerziellen Berufsorientierungs-Apps oft nicht erfüllt ist.
Bild: Yan Krukau via Pexels


