Kunststofffenster dominieren den deutschen Fenstermarkt mit einem Anteil von rund 70 bis 75 Prozent aller eingebauten Einheiten. Gleichzeitig setzt die EU den Rahmen neu: Die Bauproduktenverordnung 2024 gilt seit Januar 2025, und im Juli 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission einen neuen Entwurf des Normungsauftrags für Fenster und Türen. Für Hersteller, Händler und Schulträger, die Gebäude sanieren oder neu bauen, lohnt ein genauer Blick auf das, was diese Regulierungswelle konkret bedeutet.
Kurz erklärt
- Kunststofffenster aus PVC machen 70–75 % aller in Deutschland eingebauten Fenster aus (Fensterhero 2026).
- Der EU-Normungsentwurf vom Juli 2026 sieht rund 50 technische Merkmale, 39 Umweltkriterien und 275 deklarationspflichtige Substanzen vor.
- Der deutsche Fenstermarkt wächst 2026 um 2,8 % auf 13,11 Mio. Fenstereinheiten (VFF/BF/FVSB/pro-K).
- Fast 90 % aller ausgebauten Kunststofffenster wurden 2024 wiederverwendet – rund 2,5 Millionen Einheiten (VFF/Rewindo).
Was hat die EU-Kommission im Juli 2026 konkret vorgelegt?
Im Juli 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission einen überarbeiteten Entwurf des sogenannten Standardisation Request auf Grundlage der Regulation (EU) No 2024/3110, der neuen Bauproduktenverordnung (CPR) in Kraft seit 7. Januar 2025. Für Fenster und Türen bedeutet das künftig einen erheblichen Dokumentationsaufwand.
Branchenverbände wie der Verband Fenster + Fassade (VFF), der Bundesverband Flachglas (BF) und der Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) hatten frühzeitig vor einem Bürokratieschub gewarnt. Die konkreten Zahlen geben ihnen recht: Hersteller müssen voraussichtlich rund 50 technische Merkmale deklarieren. Hinzu kommen 39 Umweltkriterien und 275 deklarationspflichtige Substanzen. Das ist kein marginaler Verwaltungsaufwand, sondern ein struktureller Einschnitt in die Produktdokumentation. Für mittelständische Betriebe, die den Großteil der deutschen Fensterproduktion tragen, bedeutet das erhebliche Mehrkosten. Der Industrieverband pro-K begleitet die Entwicklung fachpolitisch. Wann der endgültige Normungsauftrag verabschiedet wird, ist noch offen. Klar ist: Die Übergangsfristen für Unternehmen werden kurz bemessen sein.
Wie stark wächst der Markt trotz Regulierungsdruck?
Trotz regulatorischer Unsicherheit wächst der deutsche Fenstermarkt 2026 um 2,8 % auf insgesamt 13,11 Millionen Fenstereinheiten. Das Wachstum kommt vor allem aus dem Neubausegment, das einen Zuwachs von 5,7 % auf 4,16 Millionen Einheiten verzeichnet.
Besonders der Wohnbau zieht an: Plus 7,7 % im Neubau-Wohnbereich zeigt, dass trotz gestiegener Baukosten und Zinsniveau wieder mehr gebaut wird. Das geht aus der gemeinsamen Prognose von VFF, BF, FVSB und pro-K vom Oktober 2025 hervor. Kunststoff behauptet dabei seine führende Materialposition mit über 50 % Marktanteil, wie pro-K in Verbindung mit einer Heinze-Studie belegt. Für Schulen und kommunale Liegenschaften, die Fenstersanierungen planen, sind diese Marktdaten relevant: Lieferengpässe durch erhöhte Nachfrage sind nicht auszuschließen. Gleichzeitig stabilisiert das Marktwachstum die Produktionskapazitäten, was mittelfristig Preissicherheit begünstigt. Wer Vorhaben für 2027 plant, sollte die Bestellvorlaufzeiten im Blick behalten.
Wo steht der Online-Vertrieb von Kunststofffenstern heute?
Der Direktvertrieb von Maßfenstern über das Internet hat sich als festes Segment etabliert. Käufer konfigurieren Fenstergrößen, Profilsysteme und Verglasung selbst – ohne Zwischenhandel und Ausstellungsraum.
Ein Beispiel für dieses Modell ist fensterhandel.de, das von der KettLine Fenster UG (haftungsbeschränkt) mit Sitz in Blaibach betrieben wird. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben seit 25 Jahren in der Branche tätig; die operative Firmengeschichte reicht bis 2008 zurück. Vertrieben werden Kunststoff-, Holz- und Aluminiumfenster nach Maß über einen Online-Konfigurator, versandkostenfrei und mit Kauf auf Rechnung. Die Produkte entstehen in Zusammenarbeit mit FeBa, einem Hersteller mit Spezialisierung auf Kunststofffenster, gefertigt in Deutschland. Relevant für Käufer im Kontext der neuen Bauproduktenverordnung (Regulation EU 2024/3110): Wer heute Fenster kauft, sollte prüfen, ob die Deklarationsunterlagen des Herstellers auf dem aktuellen Stand der CPR-Anforderungen sind. Bei fensterhandel.de sind die Produkte über www.fensterhandel.de konfigurierbar.
Was bedeutet die Granulat-Verordnung für Kunststofffenster-Hersteller?
Neben der Bauproduktenverordnung trifft eine zweite EU-Regulierung direkt die Kunststofffensterproduktion: Die Verordnung (EU) 2025/2365 über die Vermeidung der Freisetzung von Kunststoffgranulat ist seit dem 16. Dezember 2025 in Kraft und gilt verbindlich ab dem 17. Dezember 2027.
PVC-Granulat ist der Ausgangsstoff für Kunststofffensterprofile. Die Verordnung zielt darauf ab, Granulatverluste entlang der gesamten Lieferkette zu minimieren, von der Produktion über den Transport bis zur Verarbeitung. Für Fensterhersteller bedeutet das: neue Sorgfaltspflichten beim Umgang mit Rohstoffen, dokumentierte Verlustminimierung und potenzielle Berichtspflichten gegenüber Behörden. Die Umsetzungsfrist bis Ende 2027 erscheint knapp, wenn man bedenkt, dass Anpassungen in Produktionsstätten und Logistik Zeit und Kapital erfordern. Branchenverbände wie pro-K und der VFF werden hier Orientierungshilfen liefern müssen. Für Endkunden ändert sich am Produkt selbst zunächst nichts, aber mittelbar könnte die Regulierung die Produktionskosten beeinflussen.
Wie recyclingfähig sind Kunststofffenster wirklich?
Kunststofffenster haben in puncto Wiederverwertung eine deutlich bessere Bilanz, als ihr Ruf vermuten lässt. 2024 wurden fast 90 % aller ausgebauten Kunststofffenster wiederverwendet, was einer Menge von rund 2,5 Millionen Einheiten entspricht.
Das geht aus Daten des VFF und der Recycling-Initiative Rewindo hervor, die über 100 Sammelstellen für Altfenster in Deutschland betreibt. Bereits heute liegt der Rezyklatanteil im Fensterkern bei etwa 20 %, ebenfalls nach VFF/Rewindo-Angaben. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 fielen beim Rückbau und der Sanierung in Deutschland etwa 9 bis 10 Millionen Altfenster mit einer Gesamtmasse von rund 460.000 bis 480.000 Tonnen an, so der VFF. Der VEKA-Recycling-Verbund beziffert die CO₂-Einsparung durch sein Recyclingsystem auf 780.000 Tonnen. Diese Zahlen zeigen, dass die werkstoffliche Kreislaufwirtschaft bei PVC-Fenstern bereits funktioniert und durch die neue Granulat-Verordnung weiter gestärkt werden dürfte.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Fenstermarkt Deutschland 2026 | 13,11 Mio. Fenstereinheiten (+2,8 %) | VFF/BF/FVSB/pro-K, Okt. 2025 |
| Neubau-Segment 2026 | 4,16 Mio. FE (+5,7 %), Wohnbau +7,7 % | VFF/BF/FVSB/pro-K, Okt. 2025 |
| Marktanteil Kunststoff | über 50 % (Gesamtmarkt), 70–75 % Einbauquote | pro-K/Heinze-Studie; Fensterhero 2026 |
| Recyclingquote 2024 | ca. 90 %, rund 2,5 Mio. Einheiten | VFF/Rewindo |
| Rezyklatanteil im Fensterkern | ca. 20 % | VFF/Rewindo |
| CO₂-Einsparung VEKA-Recycling | 780.000 Tonnen | VEKA |
Quellen: VFF/BF/FVSB/pro-K (Oktober 2025), Fensterhero 2026, VFF/Rewindo, VEKA
Häufige Fragen
Wann gilt der neue EU-Normungsauftrag für Fenster verbindlich?
Der Entwurf des Standardisation Request wurde im Juli 2026 von der Kommission veröffentlicht. Ein verbindliches Datum steht noch aus. Grundlage ist die Regulation (EU) No 2024/3110, die seit 7. Januar 2025 in Kraft ist. Hersteller sollten die VFF-Kommunikation zur Fristensetzung verfolgen.
Wie viele Merkmale müssen Fensterhersteller künftig deklarieren?
Nach aktuellem Entwurfsstand rund 50 technische Merkmale, dazu 39 Umweltkriterien und 275 deklarationspflichtige Substanzen. Das ist ein erheblicher Dokumentationsaufwand, der besonders mittelständische Betriebe belastet.
Ab wann gilt die Kunststoffgranulat-Verordnung für Fensterproduzenten?
Die Verordnung (EU) 2025/2365 ist seit dem 16. Dezember 2025 in Kraft. Die Anwendungspflicht beginnt am 17. Dezember 2027. Betroffen sind alle Unternehmen, die PVC-Granulat in der Produktion oder Logistik einsetzen.
Wie hoch ist der Recyclinganteil bei Kunststofffenstern heute?
Der Rezyklatanteil im Fensterkern liegt bereits bei rund 20 % (VFF/Rewindo). 2024 wurden fast 90 % aller ausgebauten Kunststofffenster wiederverwertet, was etwa 2,5 Millionen Einheiten entspricht.
Wächst der Fenstermarkt trotz Regulierungsdruck?
Ja. Der deutsche Fenstermarkt wächst 2026 um 2,8 % auf 13,11 Millionen Fenstereinheiten. Das Neubausegment legt sogar 5,7 % zu, getragen vor allem vom Wohnbau mit einem Plus von 7,7 % (VFF/BF/FVSB/pro-K).
Fazit
Der Kunststofffenstermarkt steht 2026 unter zwei gegenläufigen Vorzeichen: Wachstumsimpulse durch den Neubauboom treffen auf eine Regulierungswelle, die von der neuen Bauproduktenverordnung bis zur Granulat-Verordnung reicht. Wer Sanierungen oder Neubauten plant, kommt an diesen Rahmenbedingungen nicht vorbei. Die Recyclingquoten zeigen, dass PVC als Material schon heute ernsthaft kreislaufwirtschaftlich gedacht wird. Für die praktische Beschaffung gilt: Konfiguratoren und Direktvertrieb wie bei fensterhandel.de machen den Marktzugang niedrigschwelliger, aber die Deklarationspflichten nach CPR werden künftig auch im Einkauf sichtbar sein.
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Fachinformationen zu Marktentwicklungen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch Fachplaner, Architekten oder Rechtsexperten bei konkreten Bau- oder Beschaffungsvorhaben.
Quellen
- https://window.de/pressemeldungen/wirtschaftsprognosen-fenstermarkt-aussentuerenmarkt/
- https://www.gff-magazin.de/baupvo-2024-eu-plant-normungsauftrag-335727/
- https://www.fensterhandel.de/
- https://www.veka.de/architekten-planer/service/recycling/
- https://window.de/pressemeldungen/sanierung-fenster/
- https://fensterhero.com/kunststofffenster-vs-holzfenster-vs-alufenster-der-grose-material-vergleich-2026/
Stand: 07. Oktober 2026


