Eine eigene Website für die Schulklasse, das Lehrprojekt oder die gesamte Schule: Was vor einigen Jahren noch ein Projekt für IT-affine Lehrkräfte war, lässt sich 2026 deutlich unkomplizierter umsetzen. Die Zahl der verfügbaren Werkzeuge ist gewachsen, die Preise sind gesunken, und viele Anbieter haben ihre Benutzeroberflächen konsequent vereinfacht. Trotzdem stehen Lehrkräfte und Schulleitungen vor einer echten Entscheidung: Welches System passt zu den eigenen Anforderungen, zum technischen Know-how im Kollegium und zum Budget der Schule?
Was Schulen von kommerziellen Websites unterscheidet
Schulwebsites folgen anderen Regeln als Unternehmensseiten. Datenschutz nach DSGVO hat besonderes Gewicht, wenn Fotos von Minderjährigen oder Klasseninformationen veröffentlicht werden. Gleichzeitig müssen oft mehrere Personen Inhalte pflegen: die Schulleiterin, einzelne Lehrkräfte, manchmal sogar Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Medienprojekten. Das bedeutet: Das System muss Rechteverwaltung beherrschen, einfach zu bedienen sein und dennoch professionell aussehen.
Hinzu kommt der Aspekt der Barrierefreiheit. Seit dem European Accessibility Act, der ab Juni 2025 auch für viele öffentliche Stellen verbindlicher wird, müssen Schulwebsites bestimmte Standards erfüllen. Kontrastreiche Darstellung, Alternativtexte für Bilder, eine klare Seitenstruktur: Das sind keine Extras mehr, sondern Pflicht.
Die vier gängigen Ansätze im Überblick
Grundsätzlich gibt es vier Wege, eine Schulwebsite aufzubauen:
- Drag-and-Drop-Baukästen wie Wix, Squarespace oder Jimdo: schnell gestartet, keine technischen Vorkenntnisse nötig, aber eingeschränkte Anpassungsmöglichkeiten und monatliche Kosten zwischen 10 und 25 Euro.
- WordPress mit Hosting: größte Flexibilität, riesige Plugin-Auswahl, aber technischer Aufwand bei Installation, Updates und Sicherheit.
- Schulspezifische Plattformen wie Schul.cloud oder Moodle: stark auf Lernmanagement ausgerichtet, weniger geeignet als öffentliche Schulwebsite.
- Managed Website-Lösungen: Anbieter übernehmen Hosting und Technik, Nutzer pflegen nur Inhalte, oft WordPress-basiert.
Für die meisten Schulen ist der direkte Vergleich zwischen einem einfachen Drag-and-Drop-Baukasten und einer WordPress-Lösung entscheidend. Beide Ansätze haben klare Stärken und Schwächen, die stark vom konkreten Einsatzszenario abhängen.
Drag-and-Drop gegen WordPress: Wann lohnt sich was?
Wix und vergleichbare Baukästen punkten mit der sofortigen Nutzbarkeit. Wer an einem Freitagnachmittag anfängt, hat am Montagmorgen eine vorzeigbare Seite. Die Vorlagen sind optisch sauber, mobile Darstellung ist automatisch dabei, und es gibt keinen Server, der konfiguriert werden muss. Für ein temporäres Schulprojekt, eine Klassenfahrtdokumentation oder eine Projektwoche sind solche Lösungen oft vollkommen ausreichend.
WordPress dagegen ist die richtige Wahl, wenn die Website langfristig wachsen soll. Mehrere Autoren mit unterschiedlichen Rechten, ein schuleigenes Intranet, eine Veranstaltungsübersicht mit Kalenderintegration oder ein mehrsprachiges Angebot für Schulen mit internationalem Profil: Das alles lässt sich mit WordPress abbilden. Wer bereits eine bestehende Website hat und auf ein leistungsfähigeres System wechseln möchte, findet mit einem Website Baukasten auf WordPress-Basis auch Migrationsoptionen, die den Wechsel deutlich vereinfachen. Gerade für Schulen, die jahrelang mit einem veralteten Jimdo- oder Typo3-System gearbeitet haben, ist das ein relevanter Weg.
Konkrete Kostenübersicht 2026
| System | Jährliche Kosten (ca.) | Technischer Aufwand |
|---|---|---|
| Wix (Light-Plan) | 120 Euro | niedrig |
| Jimdo (Basis) | 96 Euro | niedrig |
| WordPress (Managed Hosting) | 80 bis 200 Euro | mittel |
| WordPress (Eigeninstallation) | 40 bis 80 Euro | hoch |
Die Zahlen zeigen: Der Preisunterschied ist geringer als oft angenommen. Entscheidender ist, wer im Kollegium die technische Verantwortung übernimmt und wie viel Zeit dafür realistisch eingeplant werden kann.
Datenschutz: Worauf Schulen beim Baukasten achten müssen
Kein Thema wird bei Schulwebsites häufiger unterschätzt als der Datenschutz. Schon das Einbinden von Google Fonts über externe Server war in mehreren deutschen Gerichtsurteilen problematisch. Für Schulwebsites gilt: Alle eingebundenen Dienste müssen DSGVO-konform sein, Serverstandorte in der EU oder EWR sind Pflicht, und es braucht eine vollständige Datenschutzerklärung sowie ein korrektes Impressum.
Wix hat seinen Serverstandort für europäische Nutzer auf europäische Rechenzentren umgestellt, bietet aber nach wie vor weniger Transparenz als ein selbst gehostetes WordPress. Wer sichergehen will, wählt einen deutschen Hosting-Anbieter mit Serverstandort Deutschland und setzt auf Plugins wie Borlabs Cookie für das Consent-Management. Für Schulen in Bayern gilt zusätzlich: Der Bayerische Rundfunk und das Kultusministerium empfehlen explizit, keine US-amerikanischen Cloud-Dienste für schulbezogene Daten zu nutzen.
Lehrprojekte und Schülerredaktionen: Ein Sonderfall
Manche Schulen wollen nicht nur eine Informationsseite, sondern eine aktive Plattform: eine Schülerzeitung online, ein Blog aus dem Kunstunterricht, eine Dokumentation des Schulgartensprojekts. Hier ist das Rechtemanagement besonders wichtig. WordPress erlaubt es, Schülerinnen und Schüler als Autoren anzulegen, die nur eigene Beiträge schreiben und nicht veröffentlichen können. Ein Lehrer oder eine Lehrerin übernimmt die Redaktionsrolle und gibt Inhalte frei.
Das ist mit einem einfachen Baukasten wie Jimdo nicht möglich. Wix bietet zwar eine Team-Funktion, aber die Rollen sind weniger granular steuerbar. Für Schulen, die eine echte Redaktionsstruktur abbilden wollen, führt der Weg fast immer zu WordPress.
Drei Fragen vor der Entscheidung
Wer sich nicht sicher ist, welches System das richtige ist, sollte vorab drei Fragen beantworten:
- Wie viele Personen pflegen die Website? Bei mehr als zwei Personen ist ein ausgereiftes Rechtemanagement unverzichtbar.
- Wie lange soll die Website bestehen? Für ein Schuljahr reicht ein Baukasten, für eine langfristige Schulwebsite lohnt sich der Aufwand mit WordPress.
- Gibt es jemanden im Kollegium mit technischem Hintergrund? Wenn nicht, ist Managed Hosting mit WordPress die sinnvollste Kombination aus Flexibilität und Wartungskomfort.
Fazit: Kein System passt für alle Schulen
Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Für eine Grundschule mit zehn Unterseiten und einer pflegenden Person ist ein Baukasten wie Jimdo vollkommen ausreichend und günstiger als jede WordPress-Installation. Für ein Gymnasium mit Schülerzeitung, Elternbereich, Veranstaltungskalender und mehrsprachiger Startseite ist WordPress die deutlich leistungsfähigere Wahl, auch wenn der Einstiegsaufwand höher ist.
Entscheidend ist die ehrliche Bestandsaufnahme: Was soll die Website leisten, wer pflegt sie, und welches Budget steht dauerhaft zur Verfügung? Wer diese drei Punkte klar beantwortet hat, trifft die Systementscheidung auf einer soliden Grundlage statt auf Basis von Werbeversprechen.


