Wer heute eine Schulwebsite betrachtet, sieht oft dasselbe Bild: Ein Begrüßungstext aus dem Jahr 2019, eine Terminliste mit abgelaufenen Einträgen und ein PDF-Downloadbereich, der auf einem Windows-Server von 2015 liegt. Das ist kein Vorwurf, sondern eine strukturelle Frage. Schulen haben selten eine eigene IT-Abteilung, das Budget ist knapp, und die Prioritäten liegen anderswo. Trotzdem hat sich die Erwartungshaltung von Eltern, Schülerinnen und Bewerbern in den letzten Jahren deutlich verändert. Eine Website, die nicht funktioniert oder nicht vertrauenswürdig wirkt, schadet aktiv.
Barrierefreiheit ist ab 2026 keine Option mehr
Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit Juni 2025 für öffentliche Stellen und viele Einrichtungen mit staatlicher Förderung eine verschärfte Pflicht zur digitalen Barrierefreiheit. Schulen als öffentliche Bildungseinrichtungen sind davon direkt betroffen. Der Maßstab ist WCAG 2.1 auf Level AA. Das bedeutet konkret: Bilder brauchen Alternativtexte, Videos benötigen Untertitel, Formulare müssen mit der Tastatur bedienbar sein, und Farbkontraste müssen Mindestwerte erreichen.
Ein häufiger Fehler: Schulen beauftragen eine neue Website, vergessen aber, im Briefing auf Barrierefreiheit hinzuweisen. Das Ergebnis sieht gut aus, besteht aber keinen automatisierten Check mit Tools wie axe oder WAVE. Nachträglich kostet die Korrektur mehr als die initiale Umsetzung. Wer jetzt neu baut, sollte Barrierefreiheit von Anfang an ins Pflichtenheft schreiben und einen Konformitätsbericht als Liefergegenstand einfordern.
CMS-Wahl: WordPress, TYPO3 oder doch etwas anderes?
Die Wahl des Content-Management-Systems entscheidet darüber, wie viel Arbeit eine Schulwebsite langfristig macht. Drei Systeme dominieren den Schulbereich in Deutschland:
- WordPress läuft auf rund 43 Prozent aller Websites weltweit. Für Schulen interessant, weil Plugins wie WP Accessibility Helper oder Yoast SEO sofort einsatzbereit sind. Nachteil: WordPress-Instanzen ohne regelmäßige Updates sind ein häufiges Angriffsziel.
- TYPO3 gilt als Standard vieler Landesschulbehörden und Kultusministerien, besonders in Baden-Württemberg und Bayern. Es bietet granulares Rechtemanagement, ist aber ohne technisches Know-how kaum zu warten.
- Schulmanagementsysteme mit integriertem CMS wie IServ oder LOGINEO NRW bieten eine Kombination aus internem Schulnetz und öffentlicher Website. Sie passen nicht für alle Bundesländer, vereinfachen aber die Datenhaltung erheblich.
Die ehrliche Empfehlung: Wenn niemand an der Schule regelmäßig in das Backend schaut, nützt das leistungsfähigste System nichts. Besser ein einfaches, gut gepflegtes WordPress als ein ungenutztes TYPO3 mit drei Jahren Sicherheitslücken im Rückstand.
Datenschutz beim Schulauftritt: die häufigsten Fehler
Schulwebsites sammeln Daten, oft ohne es zu merken. Google Fonts, die lokal eingebunden werden müssten, aber noch vom Google-Server geladen werden. Ein Kontaktformular ohne DSGVO-konforme Einwilligung. Fotos von Schülerinnen und Schülern ohne dokumentierte Einverständniserklärung. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) hat in Stichproben 2023 festgestellt, dass über 60 Prozent der geprüften Schulwebsites mindestens einen kritischen Datenschutzmangel aufwiesen.
Die drei wichtigsten Sofortmaßnahmen: Schriftarten und Icons lokal hosten statt von externen CDNs laden. Kontaktformulare mit einem Double-Opt-in-Verfahren versehen. Schülerfotos nur mit schriftlicher Einwilligung und nach einem klaren schulinternen Foto-Leitfaden veröffentlichen. Letzteres klingt bürokratisch, schützt aber vor konkreten Abmahnrisiken.
Wann externe Unterstützung sinnvoll ist
Viele Schulen versuchen, die Website intern zu lösen, weil das Budget fehlt oder weil ein engagierter Elternteil anbietet, das kostenlos zu übernehmen. Das funktioniert kurzfristig, führt aber mittelfristig zu Problemen: fehlende Wartung, keine Übergabedokumentation, kein Ansprechpartner bei Ausfällen. Wer professionelle Qualität will, kommt an einer externen Agentur oder einem Freelancer nicht vorbei. Wer eine solide, barrierefreie und suchmaschinenoptimierte Homepage erstellen lassen möchte, sollte gezielt nach Anbietern suchen, die Erfahrung mit öffentlichen Einrichtungen oder Bildungswebsites nachweisen können.
Das Budget für eine professionell umgesetzte Schulwebsite liegt realistisch zwischen 3.000 und 10.000 Euro je nach Umfang, Barrierefreiheitsanforderungen und Anzahl der Sprachversionen. Mehrsprachigkeit ist bei Schulen mit hohem Migrationsanteil kein Nice-to-have, sondern ein klarer Mehrwert für Eltern, die noch kein sicheres Deutsch lesen.
Technische Performance: Ladezeiten, Hosting, Updates
Google bewertet Ladezeiten als Rankingfaktor. Für Schulwebsites ist das weniger wegen Google-Traffic relevant, sondern weil langsame Websites auf Mobilgeräten schlicht nicht benutzt werden. Der Zielwert für den Largest Contentful Paint (LCP) liegt laut Google unter 2,5 Sekunden. Viele Schulwebsites, die auf billigem Shared-Hosting liegen, erreichen 6 bis 8 Sekunden. Das ist strukturell lösbar: Ein gutes Managed WordPress Hosting bei Anbietern wie Raidboxes oder All-Inkl. kostet zwischen 15 und 40 Euro im Monat und halbiert die Ladezeit oft sofort.
Updates sind das zweite große Thema. Jede WordPress-Installation, die länger als drei Monate keine Updates erhalten hat, ist ein potentielles Sicherheitsproblem. Schulen sollten entweder einen Wartungsvertrag mit der beauftragten Agentur abschließen oder jemanden intern benennen, der für Updates verantwortlich ist. Ein Protokollbuch mit Datum der letzten Aktualisierung ist kein Aufwand, rettet aber im Ernstfall die Haftungsfrage.
Was eine gute Schulwebsite 2026 leisten muss
Abseits von Technik und Recht bleibt die inhaltliche Frage: Was suchen Menschen auf einer Schulwebsite? Eltern wollen wissen, wie die Schule pädagogisch ausgerichtet ist, wann die Anmeldung beginnt und wen sie bei Problemen anrufen. Schülerinnen wollen den Vertretungsplan sehen. Bewerber für Lehrerstellen wollen das Kollegium und die Ausstattung kennen. Diese drei Gruppen haben völlig unterschiedliche Bedürfnisse. Eine gute Informationsarchitektur trennt diese Pfade klar.
Konkret bedeutet das: Keine Startseite mit einem Begrüßungstext des Schulleiters als Hauptinhalt. Stattdessen klare Navigationspunkte wie „Anmeldung“, „Aktuelles“, „Für Eltern“ und „Stellenangebote“ in der ersten Ebene. Ein integrierter Kalender, der sich automatisch aus einem schulinternen System speist, ist einem manuell gepflegten PDF-Jahresplan in jedem Fall vorzuziehen. Wer diese Grundstruktur sauber aufbaut, hat eine Website, die tatsächlich genutzt wird und nicht nur existiert.


