Informatik als Pflichtfach 2026: Stand in den Bundesländern, Lehrpläne und Coding-Tools

Informatik ist im Schuljahr 2025/26 in fast allen deutschen Bundesländern verpflichtend oder auf dem Weg dorthin. Bremen bleibt laut Informatik-Monitor das einzige Land ganz ohne Pflichtunterricht. Der Umfang reicht von zwei bis sechs Wochenstunden, der größte Engpass ist der Lehrkräftemangel.

📋 Kurz zusammengefasst

Informatik wird 2025/26 in immer mehr Bundesländern Pflichtfach. Nur Bremen hat laut Informatik-Monitor gar keinen Pflichtunterricht; Berlin, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz bieten Informatik bisher nur im Wahl- oder Pilotbereich. Der Stundenumfang schwankt zwischen zwei Stunden (Bayern, NRW, Niedersachsen) und sechs Stunden (Mecklenburg-Vorpommern, Saarland). In der gymnasialen Oberstufe wählten 2023/24 nur rund 16 Prozent Informatik. Größter Engpass ist der Lehrkräftemangel: Vielerorts fehlen ausgebildete Fachlehrkräfte.

Ist Informatik in Deutschland Pflichtfach?

Informatik ist in Deutschland kein bundesweit einheitliches Pflichtfach, weil Bildung Ländersache ist. Im Schuljahr 2025/26 hat aber die große Mehrheit der 16 Bundesländer Informatik als Pflichtfach eingeführt oder verbindlich beschlossen. Laut Informatik-Monitor 2025/26 des Stifterverbandes bleibt Bremen das einzige Land ganz ohne Pflichtunterricht.

Der Informatik-Monitor ist ein jährlicher Bericht des Stifterverbandes und der Gesellschaft für Informatik, der den Stand der Schulinformatik in allen Bundesländern erfasst. Er unterscheidet zwischen verbindlichem Pflichtunterricht, Wahlpflichtangeboten und reinen Wahlangeboten.

Neben Bremen ohne Pflichtstatus zählt der Monitor mit Stand Oktober 2025 vier weitere Länder mit eingeschränktem Angebot: Berlin, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz führen Informatik bislang nur im Wahl- oder Pilotbereich, ohne verbindliche flächendeckende Verpflichtung. Rheinland-Pfalz startete zum Schuljahr 2025/26 mit 28 Pilotschulen in die Einführung.

Diese Entwicklung folgt einer klaren Empfehlung: Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz hatte in ihrem Digitalisierungs-Gutachten ein durchgängiges Pflichtfach Informatik angemahnt. Seither ziehen laut heise online und News4teachers immer mehr Länder nach.

In welchen Bundesländern ist Informatik Pflicht – und mit wie vielen Stunden?

Der Stundenumfang für das Pflichtfach Informatik unterscheidet sich stark zwischen den Ländern. Laut Informatik-Monitor 2025/26 reicht die Spanne von zwei bis sechs verpflichtenden Wochenstunden über die Sekundarstufe I hinweg. Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland liegen mit je sechs Stunden an der Spitze.

Zur Orientierung die Einordnung mehrerer Länder nach Wochenstunden im Pflichtbereich: Mecklenburg-Vorpommern und Saarland mit je sechs Stunden, Baden-Württemberg mit mindestens vier Stunden im gestuften Aufbau ab Klasse 5/6, Hamburg mit vier Stunden als Neueinführung, Schleswig-Holstein und Sachsen mit je vier Stunden sowie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern mit je zwei Stunden.

Die reine Existenz eines Pflichtfachs sagt wenig über die Vertiefung aus. In der gymnasialen Oberstufe wählten im Schuljahr 2023/24 im Bundesschnitt nur rund 16 Prozent der Schülerinnen und Schüler Informatik. Die Spanne ist dabei enorm: von etwa 8 Prozent in Baden-Württemberg, Bremen und Niedersachsen bis zu 43 Prozent in Sachsen.

💡 Expert Insight

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Beschluss und Umsetzung. Ein Land kann Informatik zum Pflichtfach erklären und trotzdem an einem Drittel der Schulen keinen fachgerechten Unterricht anbieten, weil Fachlehrkräfte fehlen. Sachsen ist das Gegenbeispiel: Dort gibt es Schulinformatik seit den 1990er-Jahren durchgängig, entsprechend hoch ist mit 43 Prozent die Oberstufen-Wahlquote. Wer die Qualität eines Landes einschätzen will, sollte nicht auf das Datum des Beschlusses schauen, sondern auf den Anteil fachfremd erteilten Unterrichts und die Zahl der Lehramts-Absolventen in Informatik.

Ab welcher Klasse lernen Schüler Informatik?

Informatische Bildung beginnt zunehmend schon in der Grundschule und zieht sich als Aufbau über drei Ebenen bis in die Oberstufe. Diese 3-Ebenen-Struktur umfasst spielerische Grundlagen in der Primarstufe, das systematische Pflichtfach in der Sekundarstufe I und die Vertiefung als Wahl- oder Leistungsfach in der Sekundarstufe II.

Auf der ersten Ebene, der Primarstufe, geht es um algorithmisches Denken ohne Programmiersprache. Kinder lernen Abläufe zu strukturieren, Muster zu erkennen und Probleme in Schritte zu zerlegen. Häufig kommen dafür visuelle Werkzeuge und der Mikrocontroller Calliope mini zum Einsatz, der speziell für die Grundschule entwickelt wurde.

Auf der zweiten Ebene, der Sekundarstufe I, steht das eigentliche Pflichtfach mit seinen zwei bis sechs Wochenstunden. Hier lernen Schüler Grundlagen der Programmierung, den Aufbau von Computersystemen, Datenschutz sowie die Funktionsweise von Netzwerken und künstlicher Intelligenz. Auf der dritten Ebene, der Sekundarstufe II, folgt die Vertiefung als Wahl- oder Leistungskurs bis zum Abitur.

Welche Tools und Programmiersprachen nutzt der Informatikunterricht?

Der Informatikunterricht nutzt je nach Klassenstufe einen gestuften Werkzeugkasten: von blockbasierten Umgebungen für Einsteiger bis zu textbasierten Programmiersprachen in der Oberstufe. Der didaktische Grundsatz lautet, mit visueller Programmierung zu beginnen und die Syntax-Hürde erst später einzuführen.

Im Einstieg dominieren blockbasierte Werkzeuge. Scratch ist eine visuelle Programmierumgebung, in der Schüler farbige Befehlsblöcke zusammenstecken, statt Code zu tippen. Ergänzt wird es durch Hardware wie den Calliope mini und den BBC micro:bit, kleine Platinen mit LEDs und Sensoren, die greifbare Programmierergebnisse liefern.

Es gibt fünf typische Werkzeug-Kategorien im Schulinformatik-Unterricht: blockbasierte Umgebungen wie Scratch, physische Mikrocontroller wie Calliope mini und micro:bit, textbasierte Programmiersprachen wie Python und Java, Robotik-Systeme wie Lego Education, sowie Simulations- und Modellierungswerkzeuge für Datenbanken und Netzwerke.

In der Sekundarstufe folgt der Umstieg auf textbasierte Sprachen. Python hat sich als Einstiegssprache durchgesetzt, weil seine Syntax leicht lesbar ist. In der Oberstufe und bei objektorientierter Programmierung kommt häufig Java hinzu. Für individuelles Programmieren-Lernen abseits des Unterrichts eignen sich zudem freie Online-Plattformen.

Warum ist der Lehrkräftemangel das größte Problem?

Der Lehrkräftemangel ist der größte Engpass bei der Einführung von Informatik als Pflichtfach, weil ein Beschluss ohne ausgebildete Fachlehrkräfte nicht in Unterricht mündet. Laut News4teachers lautet die zentrale offene Frage bei der bundesweiten Einführung schlicht: Wer soll das unterrichten?

Das Problem hat zwei Seiten. Erstens bilden die Universitäten zu wenige Informatik-Lehrkräfte aus, um den flächendeckenden Pflichtbedarf zu decken. Zweitens ist die Konkurrenz durch die Privatwirtschaft groß, weil Informatik-Absolventen dort oft deutlich mehr verdienen als im Schuldienst.

Die Folge ist fachfremd erteilter Unterricht: Mathematik- oder Physiklehrkräfte übernehmen Informatik ohne vollständige fachdidaktische Ausbildung. Das senkt die Qualität und erklärt, warum ein Pflichtbeschluss allein noch keine gute Schulinformatik garantiert. Länder setzen deshalb auf Zertifikatskurse und berufsbegleitende Nachqualifizierung, um kurzfristig Personal aufzubauen.

💬 Meine Einschätzung

Die politische Erfolgsmeldung „15 von 16 Ländern haben Informatik als Pflichtfach“ verdeckt das eigentliche Problem. Ein Fach im Stundenplan ist kein Fach im Klassenzimmer, solange die Lehrkräfte fehlen. Der Unterschied zwischen Sachsen mit 43 Prozent Oberstufen-Wahlquote und Ländern mit 8 Prozent ist keine Frage besserer Beschlüsse, sondern jahrzehntelang aufgebauter Personaldecke. Für Schulen heißt das: Wer jetzt startet, sollte zuerst in die Nachqualifizierung des eigenen Kollegiums investieren und Informatik lieber mit zwei gut unterrichteten Stunden beginnen als mit sechs fachfremd erteilten. Qualität schlägt Quantität, gerade in einem Fach, das viele Erwachsene selbst nie systematisch gelernt haben.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • 2025/26 ist Informatik in fast allen Ländern Pflicht; nur Bremen hat gar keinen Pflichtunterricht.
  • Berlin, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz bleiben im Wahl- oder Pilotbereich; RLP mit 28 Pilotschulen.
  • Stundenumfang: 2 Stunden (Bayern, NRW, Niedersachsen) bis 6 Stunden (MV, Saarland).
  • Oberstufen-Wahlquote 2023/24: rund 16 Prozent im Schnitt, 8 Prozent bis 43 Prozent (Sachsen).
  • Größter Engpass ist der Lehrkräftemangel und fachfremd erteilter Unterricht.

Häufige Fragen zu Informatik als Pflichtfach

In welchen Bundesländern ist Informatik 2026 kein Pflichtfach?

Laut Informatik-Monitor 2025/26 ist Bremen das einzige Bundesland ganz ohne Pflichtunterricht. Berlin, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz bieten Informatik mit Stand Oktober 2025 nur im Wahl- oder Pilotbereich an, ohne verbindliche flächendeckende Verpflichtung. Alle übrigen Länder haben ein Pflichtfach eingeführt oder verbindlich beschlossen.

Ab welcher Klasse ist Informatik Pflicht?

Das hängt vom Bundesland ab und liegt meist in der Sekundarstufe I, häufig ab Klasse 7 oder 8. In einigen Ländern wie Baden-Württemberg beginnt der Aufbau bereits ab Klasse 5 oder 6. In der Grundschule wird informatische Bildung oft ohne eigenes Fach über algorithmisches Denken vermittelt.

Welche Programmiersprache lernt man in der Schule?

In der Schule beginnt der Einstieg meist mit der blockbasierten Umgebung Scratch, oft kombiniert mit Hardware wie Calliope mini oder micro:bit. In der Sekundarstufe folgt Python als leicht lesbare Einstiegssprache, in der Oberstufe kommt für objektorientierte Programmierung häufig Java hinzu.

Was ist der Calliope mini?

Der Calliope mini ist ein kleiner Mikrocontroller, der speziell für den Einsatz an Grundschulen und in der frühen Sekundarstufe entwickelt wurde. Er besitzt LEDs, Sensoren und Anschlüsse und wird über eine blockbasierte Oberfläche programmiert. Schüler sehen ihr Programm sofort als greifbares Ergebnis auf der Platine.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Informatik-Monitor 2025/26, Stifterverband und Gesellschaft für Informatik – Stand der Schulinformatik in den Bundesländern.
  • Deutsches Schulportal (Robert Bosch Stiftung), Beiträge zu Pflichtfach Informatik und zum Digitalisierungs-Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK.
  • News4teachers (Oktober 2025), Bericht zur bundesweiten Einführung von Informatik als Pflichtfach.
  • heise online, Bericht zu Informatik als Schul-Pflichtfach in immer mehr Bundesländern.
  • Bildungsserver Rheinland-Pfalz und skills-magazin.de – Informationen zu den 28 Pilotschulen ab 2025/26.


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